Ein Dekarbonisierungspfad beschreibt, wie stark die Treibhausgasemissionen eines Unternehmens, eines Immobilienportfolios oder eines einzelnen Gebäudes Jahr für Jahr sinken müssen, um ein festgelegtes Klimaziel zu erreichen, etwa die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad. Er wird meist als absinkende Kurve dargestellt, die zulässige Emissionen pro Quadratmeter und Jahr bis zum Zieljahr abbildet. Damit dient er als Maßstab, an dem sich der tatsächliche Verlauf messen lassen muss.
Was ist ein Dekarbonisierungspfad?
Im Sprachgebrauch werden zwei Dinge unter dem Begriff zusammengefasst, die man besser trennt. Der Zielpfad ist ein externer Benchmar.: Er legt fest, welche Emissionsintensität ein Gebäude eines bestimmten Typs in einem bestimmten Land in jedem Jahr höchstens haben darf, damit es mit einem Klimaziel vereinbar ist.
Der Maßnahmenpfad, oft auch Sanierungsfahrplan oder Transformationsplan genannt, ist dagegen die eigene Planung. Mit welchen Maßnahmen und in welcher Reihenfolge senkt ein Eigentümer seine Emissionen so, dass er unter dem Zielpfad bleibt? Üblich sind zwei Kennzahlen, die Emissionsintensität in Kilogramm CO2-Äquivalent je Quadratmeter und Jahr sowie die Energieintensität in Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr.
Wie funktioniert der CRREM-Pfad?
Der in der Immobilienwirtschaft am weitesten verbreitete Zielpfad stammt aus dem Projekt Carbon Risk Real Estate Monitor, kurz CRREM. Es wurde als EU-gefördertes Forschungsprojekt unter Leitung des IRE|BS Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit der Universität Regensburg entwickelt und wird seit 2023 von der gemeinnützigen CRREM Foundation weitergeführt.
CRREM leitet aus den globalen Klimazielen wissenschaftlich begründete Pfade ab, die nach Land und Nutzungsart unterscheiden, zum Beispiel für Büros, Hotels oder Einzelhandel. Legt man den erwarteten Emissionsverlauf eines Gebäudes über den passenden Pfad, zeigt sich, ab welchem Jahr das Gebäude den Zielwert überschreitet. Dieser Zeitpunkt wurde lange als Stranding Point bezeichnet, weil das Gebäude ab dann als Stranded Asset gilt, also als Immobilie mit erheblichem Wertverlustrisiko. Für die Analyse stellt die CRREM Foundation ein kostenfreies Werkzeug bereit.
Wie entwickeln Betreiber einen eigenen Dekarbonisierungspfad?
Am Anfang steht eine belastbare Ausgangsbilanz. Dafür werden die Energieverbräuche je Gebäude erfasst und mit Emissionsfaktoren der jeweiligen Energieträger in Emissionen umgerechnet. Je genauer diese Daten sind, desto verlässlicher wird der Pfad. Geschätzte oder nur jährlich abgelesene Werte lassen kaum erkennen, wo die größten Hebel liegen.
Anschließend wird ein Zielbild gewählt, etwa ein CRREM-Pfad oder das gesetzliche Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045. Darauf folgt die Abfolge der Maßnahmen. Sinnvoll ist, mit geringinvestiven Schritten im Betrieb zu beginnen, etwa einer bedarfsgerechten Heizungssteuerung oder einem hydraulischen Abgleich, weil sie schnell wirken und den Bedarf für spätere, teurere Investitionen in Erzeugung und Gebäudehülle senken. Entscheidend ist schließlich der regelmäßige Abgleich: Nur wer den tatsächlichen Verlauf laufend misst, erkennt rechtzeitig, ob ein Gebäude vom Pfad abweicht.
Verwandte Begriffe
Quellen & weiterführende Informationen:
- Betterspace: Regulatorik, ESG und Resilienz für Betreiber
- Betterspace: better.energy Heizkörpersteuerung
- CORDIS: Forschungsergebnisse der EU, Carbon Risk Real Estate Monitor
- CRREM Foundation: Pathways und Risk Assessment Tool




















