Die 6 wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:
- Wärmespeicher sind notwendig, aber kein Ersatz für Effizienz auf Raumebene.
- Energy Efficiency First: EU-Grundprinzip, das in der Praxis oft umgekehrt wird.
- Nichtwohngebäude, wie Pflegeheime, Schulen, Hotels, Büros und Verwaltungseinrichtungen verschwenden täglich Wärme in Leerräumen, nachts und am Wochenende.
- Thermische Trägheit der Gebäudemasse schafft Spielraum für Absenkung ohne Komfortverlust.
- Belegungsbasierte Steuerung senkt den Wärmebedarf um bis zu 35 Prozent, je nach Gebäude und Branche.
- Saisonale Langzeitspeicherung bleibt eine andere Aufgabe.
Das Paradoxon zwischen Speicherkapazitäten und Energieeffizienz
Wer heute über die Wärmewende spricht, kommt schnell auf das Thema Speicher. Zu wenig davon, zu teuer, der Zubau kommt nicht schnell genug. Das ist richtig. Aber in dieser Debatte geht ein Schritt verloren, der für Betreiber von Schulen und Verwaltungsgebäuden deutlich mehr Hebel hat: Wer weniger Wärme verbraucht, braucht auch weniger davon zu speichern.
Die Reihenfolge, Effizienz vor Infrastruktur, ist kein nettes Prinzip. Sie ist einer der wenigen Hebel, die ein Gebäudebetreiber sofort und aus eigener Kraft bewegen kann, ohne auf Förderprogramme, Netzbetreiber oder Speicherhersteller zu warten. Dämmung und Heizungstausch gehören ebenfalls dazu, brauchen aber Bauzeit und größere Investitionen. Die Regelung der vorhandenen Anlage ist der Hebel mit der kürzesten Umsetzungszeit und dem geringsten Eingriff.
Das Wärmespeicherproblem: real, aber nicht das erste Problem
Das Gutachten zur Wärmespeicherstrategie, das die Deutsche Energie-Agentur (dena) im Auftrag des BMWK im August 2024 veröffentlicht hat, zeigt das Ausmaß der Aufgabe: Aktuell sind in deutschen Wärmenetzen rund 114 GWh Wärmespeicherkapazität in Betrieb oder in fortgeschrittener Planung. Der Bedarf bis 2045 liegt laut Gutachten etwa 150- bis 300-mal darüber. Das ist eine Dimension, die Aquifer-Speicher, Erdbeckenspeicher und Großpuffertanks in Wärmenetzen erfordert, mit langen Planungszeiträumen, knapper Fläche und erheblichen Investitionsvolumina.
Das ist aber ein systemisches Problem auf Netzebene. Das tägliche Problem, das die meisten Gebäudebetreiber kennen, ist ein anderes: Wärme wird produziert, wenn niemand da ist. Sie heizt leere Konferenzräume durch, erwärmt Hotelflure in der Nacht und hält Pflegezimmer auf Betriebstemperatur, während deren Bewohner stundenlang in Gemeinschaftsbereichen sind. Das ist kein Speicherproblem. Das ist ein Steuerungsproblem.
Dabei lohnt sich eine saubere Unterscheidung zwischen zwei grundlegend verschiedenen Aufgaben:
Die saisonale Langzeitspeicherung überbrückt Monate. Im Sommer liefern Solarthermie und industrielle Abwärme Überschüsse, im Winter ist der Bedarf am größten. Diese Lücke zu schließen, erfordert Infrastruktur auf Quartiersebene oder Großspeicher, die über Wochen Wärme halten.
Die kurzfristige Ebene dagegen betrifft Stunden oder einzelne Tage und liegt im Handlungs-spielraum jedes einzelnen Gebäudes. Hier geht es nicht darum, mehr zu speichern, sondern weniger zu verschwenden. Die thermische Trägheit der Gebäudemasse hilft dabei: Sie erlaubt es, in Leerzeiten die Zufuhr zurückzunehmen, ohne dass der Raum sofort auskühlt. Was es dafür braucht, ist keine neue Infrastruktur, sondern eine Steuerung, die weiß, wann ein Raum genutzt wird und wann nicht. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der zweiten Dimension, welche Gebäudebetreiber jetzt kontrollieren und beeinflussen können.
Die thermische Masse als natürlicher Puffer
Massivbauten speichern Wärme. Beton, Ziegel und schwere Böden haben eine hohe spezifische Wärmekapazität: Sie heizen sich langsam auf und kühlen langsam ab. Für die Praxis heißt das vor allem eines: Ein Raum kühlt nicht sofort aus, wenn die Zufuhr gedrosselt wird. Genau diese Trägheit macht es möglich, in Leerzeiten die Temperatur abzusenken, ohne dass der Komfort bei der nächsten Belegung leidet. Die Wärme ist noch da, sie steckt in den Bauteilen. Eine belegungsbasierte Steuerung nutzt diesen Spielraum, statt durchgehend auf Volltemperatur zu heizen.
Energy Efficiency First: ein Grundprinzip, das in der Praxis oft umgekehrt wird
Die EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED, Richtlinie 2023/1791) verankert das Prinzip „Energy Efficiency First“ als verbindliche Leitlinie für Energiepolitik und Infrastrukturplanung. Der Kern: erst den Energiebedarf senken, dann Erzeugung und Speicher entsprechend kleiner dimensionieren.
Die Logik dahinter ist ganz einfach. Energie, die nicht verbraucht wird, muss weder erzeugt noch transportiert noch gespeichert werden. Wer den Wärmebedarf seines Gebäudes senkt, senkt damit auch den Bedarf an Erzeugung und Speicherung. Bei einer Neuplanung von Kessel, Wärmepumpe oder Pufferspeicher lässt sich das System entsprechend kleiner und günstiger auslegen.
In der Praxis wird diese Reihenfolge regelmäßig umgedreht: erst die neue Heizungsanlage, dann Optimierung irgendwann später. Der Effekt: Man investiert in einen leistungsfähigen Er-zeuger, der anschließend ein schlecht geregeltes System mit viel Überschuss versorgt. Die Einsparung bleibt liegen.

Was in einem typischen Bestandsgebäude ohne Steuerung täglich passiert
Nichtwohngebäude und gewerblich-genutzte Gebäude wie Pflegeheime und Krankenhäuser haben ein grundlegend anderes Verbrauchsprofil als Wohngebäude. Nutzungszeiten wechseln teilweise stündlich, Belegungsgrade schwanken stark, und an Wochenenden oder in den Ferien stehen ganze Gebäudeflügel leer. Das Heizsystem weiß das nicht.
Ineffiziente Energienutzungssituationen, die in der Praxis regelmäßig auftreten:
- Konferenzräume auf voller Betriebstemperatur, obwohl der nächste Termin erst am Nachmittag stattfindet
- Hotelzimmer nach dem Check-out weiter auf Wohlfühltemperatur, bis das Zimmer neu vergeben wird
- Pflegezimmer durchgehend beheizt, während Bewohner stundenlang in Gemeinschaftsbereichen sind
- Offene Fenster, auf die das Heizsystem nicht reagiert, Wärme entweicht, Kessel läuft nach
- Nachtabsenkung einmal eingestellt und seitdem nicht angepasst, obwohl sich Nutzungszeiten verändert haben
Das Ergebnis: Wärme wird produziert, verteilt und durch Undichtigkeiten, Fenster oder schlicht durch falsche Temperaturprofile wieder abgegeben, ohne genutzt, geschweige denn benötigt worden zu sein. Das ist kein Erzeugerversagen und auch kein Netzmangel. Das ist Wärmeverschwendung in Reinform und fehlendes Lastmanagement auf Raumebene.
Gebäude mit und ohne intelligente Steuerung im Vergleich
| Situation | Ohne Steuerung | Mit better.energy |
|---|---|---|
| Leerstehende Räu-me | Volltemperatur durchgehend | Automatische Absenkung auf Halte-wert |
| Offene Fenster | Heizung läuft weiter | Fensterkontakt löst sofortige Drosse-lung aus |
| Wochenenden und Nächte | Pauschales Zeitprofil oder Handbetrieb | Belegungsbasierte Regelsets, auto-matisch |
| Zimmerwechsel im Hotel | Manuelle Anpassung durch Personal | PMS-Schnittstelle überträgt Belegung automatisch |
| Verbrauchstransparenz | Kein Überblick je Raum | Verbrauchsdaten je Raum und Standort abrufbar |
Was eine intelligente Raumsteuerung konkret im Bestand bewirkt
better.energy steuert Heizkörper in Bestandsgebäuden automatisiert, auf Basis von Belegungsdaten, Zeitprofilen und Sensorik. Die Technologie arbeitet per LoRaWAN und ist unabhängig vom IT-Netz des Gebäudes. Damit ist weder ein Eingriff in die Heizungsanlage selbst noch eine IT-Integration erforderlich.
In der Praxis funktioniert das folgendermaßen: LoRaWAN-Thermostatköpfe werden über pas-sende Adapter auf die vorhandenen Heizkörperventile aufgesetzt, ohne Eingriff in die Anlage. Gateways empfangen die Funksignale und übermitteln sie an die webbasierte IoT-Plattform. Dort werden Regelsets je Raum konfiguriert. Diese legen fest, welche Temperatur bei welcher Belegung im Raum vorherrschend soll, was bei Leerstand passiert und wenn ein Fenster geöff-net wird.

Fensterkontakte erkennen geöffnete Fenster und melden dies der Software, welche den Befehl an die Thermostate sendet, die Ventile des Heizkörpers zu schließen. So wird die Temperatur automatisch gesenkt, solange gelüftet wird. In Hotels überträgt die PMS-Schnittstelle die aktuelle Zimmerbelegung direkt. In Pflegeeinrichtungen, Schulen oder Bürogebäuden werden Zeitprofile und Belegungsangaben hinterlegt.
Je nach Gebäudetyp und Ausgangssituation können durch better.energy bis zu 35 Prozent Wärme gespart werden. Die genauen Werte hängen vom Verbrauchsprofil, der Gebäudestruktur und dem Zustand der bisherigen Regelung ab. Wer von einem ungeregelten Bestandsgebäude startet, sieht die stärksten Effekte.
Die Verbrauchsdaten je Raum sind dabei bereits heute in der Plattform einsehbar. Ab Herbst 2026 kommt mit better.energy – Analyze ein Modul hinzu, das diese Daten systematisch auswertet und standortübergreifende Vergleiche ermöglicht.

Was better.energy nicht löst, und wann Speicher trotzdem sinnvoll sind
Um Missverständnissen vorzubeugen: better.energy adressiert die Nachfrageseite auf Raumebene. Es senkt den Wärmebedarf, indem es nur dann heizt, wenn ein Raum genutzt wird, und reduziert dadurch die Menge an Wärme, die ein Gebäude überhaupt braucht. Das ist die Effizienzebene, nicht die Infrastrukturebene. Es ist auch kein System zur aktiven Lastverschiebung oder zum netzdienlichen Demand Side Management. Der Hebel ist einfacher und direkter: weniger heizen, wo nicht geheizt werden muss.
Das saisonale Speicherproblem löst es nicht. Wer im Sommer Überschusswärme aus Solarthermie oder industrieller Abwärme für den Winter konservieren will, braucht dafür Aquifer-Speicher, Fernwärmenetze oder Großpufferspeicher auf Quartiersebene. Das ist eine andere Technologieklasse, die andere Investitionsvolumina und andere Planungszeiträume erfordert.
Ebenso ist better.energy kein Gebäudeleitsystem und kein CAFM-System. Es ist eine speziali-sierte Steuerungsebene auf Raumebene, die unabhängig vom Wärmeerzeuger funktioniert und vorhandene Heizungsinfrastruktur ergänzt, nicht ersetzt.
Info-Box: Drei Typen großer Wärmespeicher
Großpuffertanks sind riesige, gedämmte Wassertanks, die Wärme über die Schichtung von heißem und kaltem Wasser speichern. Sie gleichen Schwankungen über Stunden bis wenige Tage aus und sind die ausgereifteste und häufigste Bauart. Größen reichen bis zu mehreren zehntausend Kubikmetern.
Erdbeckenspeicher sind große, folienausgekleidete und abgedeckte Gruben, gefüllt mit Wasser oder einem Wasser-Kies-Gemisch. Durch ihr enormes Volumen und geringe Kosten pro Kubikmeter eignen sie sich für die saisonale Speicherung, also Sommerwärme für den Winter. Nachteil: hoher Flächenbedarf.
Aquifer-Speicher nutzen eine natürliche wasserführende Gesteinsschicht im Untergrund. Über Brunnen wird Grundwasser erwärmt, eingespeist und im Winter wieder gefördert. Sie brauchen kaum Oberfläche, setzen aber geeigneten Untergrund und wasserrechtliche Genehmigungen voraus. Ebenfalls ein Saisonspeicher.
Alle drei arbeiten auf Netz- und Quartiersebene und sind Sache von Fernwärmeversorgern und Kommunen, nicht des einzelnen Gebäudebetreibers.
Wann zusätzliche Wärmespeicher sinnvoll sind:
- Solarthermie-Anlagen mit Überschuss in sonnenreichen Stunden, die sonst ungenutzt bleibt
- Kraft-Wärme-Kopplung mit zeitlich entkoppeltem Wärme- und Strombedarf
- Fernwärmeanschlüsse mit variablen Tarifen, bei denen Pufferspeicher günstige Bezugszeiten ausnutzen
- Großanlagen, bei denen der Spitzenwärmebedarf die Kesselnennleistung kurzzeitig überschreitet
- Quartierskonzepte mit gemeinsamer Wärmeversorgung mehrerer Gebäude
In all diesen Fällen ergänzen sich Effizienz und Speicher. Aber ein Speicher ohne vorherige Effizienzoptimierung überdimensioniert die Infrastruktur und treibt laufende Betriebskosten unnötig nach oben.

Fazit zu Wärmespeichern und Energy Efficiency First
Das Speicherproblem der Wärmewende ist real, aber es ist ein Problem der Netz- und Systemebene. Der einzelne Gebäudebetreiber baut keine Aquifer- oder Erdbeckenspeicher, er wartet darauf, dass Fernwärmeversorger und Kommunen sie bauen. Was er selbst in der Hand hat, ist die Verbrauchsseite. Und genau dort liegt der schnellere und günstigere Hebel.
Wer den Wärmebedarf seines Gebäudes senkt, entlastet jede Ebene dahinter: den Erzeuger, das Netz und den Speicher. Das ist der Kern von Energy Efficiency First, und es ist der Grund, warum sich die Reihenfolge lohnt. Erst den Bedarf reduzieren, dann über zusätzliche Infrastruktur entscheiden. Wer diesen Schritt überspringt, dimensioniert teurer, als nötig wäre.
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Häufig gestellte Fragen
Nein. Die Aufgaben sind grundlegend verschieden. Heizungssteuerung senkt den Wärmebedarf, indem sie nur dann heizt, wenn Wärme gebraucht wird. Wärmespeicher puffern zeitliche Ungleichgewichte zwischen Erzeugung und Nachfrage. Beides kann sich ergänzen, logisch kommt aber die Effizienzseite zuerst: Wer weniger braucht, muss weniger speichern.
Laut Betterspace amortisiert sich die Installation typischerweise in 1 bis 3 Jahren. Die genaue Dauer hängt vom Ausgangszustand der Heizungsregelung, der Anzahl der Räume und dem aktuellen Energietarif ab. Gebäude mit bisher ungeregelten oder schlecht eingestellten Heizsystemen sehen die stärksten Effekte.
Ja. better.energy nutzt LoRaWAN und ist damit unabhängig von WLAN oder Kabelnetz im Gebäude. Das System läuft auch ohne bestehende IT-Infrastruktur.
Die Thermostatköpfe werden auf vorhandene Ventile aufgedreht, kein Eingriff in die Heizungsanlage selbst. Je nach Gebäudegröße übernimmt der Betreiber die Installation nach einer Einweisung durch Betterspace selbst, oder beauftragt eine Vollinstallation.
Die Batterielaufzeit der Thermostatköpfe beträgt rund fünf Jahre. Der Batteriestand aller Geräte ist in der Plattform jederzeit einsehbar. Darüber hinaus ist keine planmäßige Wartung erforderlich.
Quellen und Hintergrundinformationen
- Europäische Union: Richtlinie 2023/1791 des Europäischen Parlaments und des Rates über Energieeffizienz (EED)
- Betterspace GmbH: better.energy
- Mennel, Tim; Fischer, Tibor et al. (Deutsche Energie-Agentur dena, im Auftrag des BMWK): Gutachten zur Wärmespeicherstrategie. Berlin, August 2024
- Umweltbundesamt (Hrsg.): Wärmepumpensysteme in Bestandsgebäuden — Abschlussbericht (Climate Change 11/2024)
- Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Speicher für die Energiewende (Überblicksdokument zur integrierten Speicherstrategie)
- Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz: Neue Langfristszenarien für die Energiewende (Fraunhofer ISI/Consentec, Stand Februar 2024)



















