Einzelraumsteuerung, auch Einzelraumregelung, bezeichnet die separate Temperaturregelung jedes einzelnen Raums statt einer pauschalen Regelung für ganze Gebäudeabschnitte oder Gebäude. Jeder Raum erhält eigene Sollwerte und Zeitprofile. In Nichtwohngebäuden mit unterschiedlich genutzten Räumen ist sie die Grundlage dafür, Heizenergie gezielt dort einzusetzen, wo sie gebraucht wird. Damit lässt sich der Betrieb genau an die Nutzung des jeweiligen Raums anpassen, statt das gesamte Gebäude einheitlich zu beheizen.
Was ist Einzelraumsteuerung?
Bei der Einzelraumsteuerung wird jeder Raum einzeln geregelt, mit eigener Solltemperatur und eigenem Zeitplan. So kann ein Konferenzraum anders behandelt werden als ein dauerhaft belegtes Büro oder ein selten genutzter Lagerraum. Technisch setzt sie voraus, dass jeder Heizkörper einen eigenen ansteuerbaren Aktor besitzt und dass die Räume in der zentralen Plattform hinterlegt sind. Erst diese raumgenaue Adressierung erlaubt es, Regeln nicht für das ganze Gebäude, sondern für jeden Raum getrennt zu definieren.
Wie spart eine Einzelraumsteuerung Energie?
Räume, die gerade nicht genutzt werden, werden gezielt abgesenkt, während belegte Räume ihre Komforttemperatur behalten. Da nicht mehr pauschal das ganze Gebäude durchgeheizt wird, sinkt der Verbrauch spürbar, besonders bei unregelmäßiger Nutzung.
Die Regeln lassen sich dabei nach Gebäudetyp kombinieren: Hotels heizen mit Anbindung an das Buchungssystem belegungsabhängig, Schulen und Bürogebäude arbeiten mit festen Belegungszeiten, Kliniken und Pflegeheime mit Dauerbelegung nutzen vor allem tageszeitabhängige Profile und die Absenkung einzelner ungenutzter Bereiche.
Wo ist eine Einzelraumsteuerung besonders sinnvoll?
Besonders wirksam ist sie in Gebäuden mit stark schwankender oder heterogener Belegung. Dazu zählen:
- Hotels mit wechselnder Auslastung und leerstehenden Zimmern
- Schulen und Bildungseinrichtungen mit festen Stundenplänen und Ferienzeiten
- Bürogebäude mit Homeoffice-Anteil und unterschiedlich genutzten Besprechungsräumen
- Verwaltungsgebäude mit Publikums- und Randzeiten
- Kliniken und Pflegeheime, in denen einzelne Bereiche nur zeitweise genutzt werden und der Komfort der Bewohnenden sichergestellt sein muss
In all diesen Fällen ist der Unterschied zwischen genutzten und ungenutzten Räumen groß, und genau diesen Unterschied macht die Einzelraumsteuerung nutzbar. Je uneinheitlicher die Belegung, desto höher fällt das Einsparpotenzial gegenüber einer pauschalen Gebäuderegelung aus.
Was unterscheidet Einzelraumsteuerung von einer zentralen Gebäuderegelung?
Eine zentrale Gebäuderegelung steuert die Wärme für das gesamte Gebäude oder für große Abschnitte einheitlich, etwa über eine gemeinsame Vorlauftemperatur. Sie kann nicht berücksichtigen, dass einzelne Räume unterschiedlich genutzt werden.
Die Einzelraumsteuerung setzt eine Ebene tiefer an und regelt jeden Raum getrennt. Der praktische Unterschied zeigt sich im Alltag: Steht in einem zentral geregelten Gebäude ein Raum leer, wird er trotzdem mitgeheizt. Bei der Einzelraumsteuerung wird genau dieser Raum abgesenkt, während die belegten Räume unberührt bleiben. Beide Ansätze schließen sich nicht aus. Häufig ergänzt die raumweise Regelung eine vorhandene zentrale Anlage und holt zusätzliche Einsparungen heraus, ohne dass die Grundinstallation ersetzt werden muss.
Welche Technik ist für eine Einzelraumsteuerung nötig?
Grundlage jeder Einzelraumsteuerung ist, dass sich jeder Raum einzeln erfassen und ansteuern lässt. Dafür braucht es an jedem Heizkörper einen ansteuerbaren Aktor, meist einen elektronischen Thermostatkopf, und je nach Anwendung zusätzliche Sensoren wie Temperaturfühler, der meist ebenfalls im Thermostat vorhanden ist oder Fensterkontakte.
Diese Geräte melden ihre Werte an eine zentrale Plattform und empfangen von dort ihre Regelbefehle. In funkbasierten Systemen übernimmt ein Gateway die Verbindung zwischen den Geräten und der Plattform, sodass keine flächendeckende Verkabelung nötig ist. Auf der Plattform werden die Räume angelegt, mit Sollwerten und Zeitprofilen versehen und zu Regelsätzen zusammengefasst. Genau diese raumgenaue Zuordnung unterscheidet die Einzelraumsteuerung von einer pauschalen Regelung und macht sie im Bestand vergleichsweise einfach nachrüstbar.
Verwandte Begriffe
Quellen und weiterführende Informationen
- Betterspace: MSR-Technik in Nichtwohngebäuden: Wie du mit smarter Steuerung Energie und Kosten sparst
- Betterspace: Energiemanagement in Bestandsgebäuden nachrüsten
- Deutsche Energie-Agentur (dena): KEDi-Dossier zur verpflichtenden Gebäudeautomation nach § 71a GEG



















