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Energieeffizienz als Konzernprojekt bei DOMICIL: 50 Standorte, mehr als 36.000 Komponenten, in 8 Monaten

außenansicht luftaufnahme domicil berlin

Wie DOMICIL und Betterspace better.energy im laufenden Pflegebetrieb in die Fläche gebracht haben

UnternehmenDOMICIL Senioren-Residenzen Hamburg SE
Umfang50 Pflegeeinrichtungen in 24 Städten, mehr als 36.000 Komponenten, mehr als 11.000 Räume
ZeitraumInstallation zwischen April bis Dezember 2025
InstallationEigene Haustechnik nach Vor-Ort-Einweisung durch Betterspace
Erste Heizsaison12,8 Millionen automatische Regelausführungen, Oktober 2025 bis April 2026
Tabelle 1: Keyfacts zum Energieprojekt better.energy bei DOMICIL

Die wichtigsten Erkenntnisse des Großprojektes bei DOMICIL kompakt vorweg:

  1. DOMICIL hat better.energy in 50 Pflegeeinrichtungen eingeführt: mehr als 36.000 Komponenten in mehr als 11.000 Räumen.
  2. Der Rollout dauerte acht Monate statt der geplanten zwölf. Pro Monat starteten fünf bis sieben Häuser mit rund 4.000 Komponenten.
  3. Die Installation übernahm die eigene Haustechnik nach einer Einweisung je Standort durch Betterspace-Techniker.
  4. In der ersten Heizsaison hat das System 12,8 Millionen Regeln ausgeführt: 3,4 Millionen Mal offene Fenster erkannt, 4,1 Millionen Nachtabsenkungen, 723.000 Mal Überheizen verhindert.
  5. Manuell wurde im Schnitt nur alle zweieinhalb Tage je Raum eingegriffen. Die Automatik trägt den Betrieb.
  6. better.energy ist kein Thermostatprojekt, sondern ein Organisations- und Energieeffizienzprojekt. Wer das so aufstellt, kann operative Entlastung, Verbrauchstransparenz und Einsparpotenziale verbinden.
  7. Die Ziele sind erreicht: volle Transparenz, automatisierte Abläufe, Fehlverbräuche abgestellt. Konkrete Verbrauchszahlen erfolgen nach der Heizperiode 2026/2027.

Thomas Komosza, Leitung Bau- und Gebäudetechnik

Thomas Komosza verantwortet bei DOMICIL Seniorenresidenzen Hamburg SE die Bau- und Gebäudetechnik über alle Einrichtungen hinweg. Er ist kein Technikoptimist, der auf jede neue Lösung aufspringt. Energieeffizienz muss für ihn Wirtschaftlichkeit, Betrieb und Versorgungssicherheit gleichzeitig bedienen, sonst ist sie kein Argument. Mit diesem Anspruch hat er better.energy unternehmensweit bei DOMICIL in 50 Standorten eingeführt, und das Ergebnis war kein isoliertes Technikprojekt, sondern eine strukturierte Entscheidung und Umsetzung auf Unternehmensebene.

Ausgangslage bei DOMICIL: Energiekosten steigen und die Steuerungsfähigkeit fehlt

DOMICIL betreibt 50 Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland. Darunter Gebäude verschiedener Baujahre mit unterschiedlicher technischer Ausgangslage und verschiedenen Teams vor Ort. Was all diese Standorte gemeinsam hatten, waren Heizkörper, die manuell geregelt wurden. Es gab kein einheitliches Bild darüber, was wo und wie viel verbraucht wird. Solange die Energiepreise stabil waren, ließ sich damit leben. Mit schwankenden und steigenden Energiekosten wurde daraus ein Problem.

Das bisherige Vorgehen reichte nicht mehr. Thomas Komosza beschreibt die Ausgangslage präzise: „Der Auslöser war eine Kombination aus deutlich gestiegenen Energiekosten, zunehmender Preisvolatilität und dem strategischen Anspruch, Energieverbräuche nicht nur zentral zu erfassen, sondern aktiv und standortübergreifend zu steuern.“  Dabei stand eine Bedingung von Anfang an fest: Einsparungen dürfen nicht auf Kosten der Bewohnerinnen und Bewohner gehen.

Im Pflegebetrieb ist das keine Verhandlungsposition, sondern eine fachliche und ethische Grundbedingung. Das Ziel war, auf der Ebene einzelner Räume und ganzer Gebäude Verbrauchstransparenz zu gewinnen, Fehlverbräuche durch überheizte Räume oder dauerhaft geöffnete Fenster zu eliminieren und die manuelle Nachsteuerung durch Pflegepersonal und Haustechniker spürbar zu reduzieren. Statt 50 unterschiedlicher Vorgehensweisen sollte ein einheitlicher Standard gelten.

Wie better.energy DOMICIL unterstützt

Die Software-Plattform better.energy steuert die Heizkörper in den Pflegeeinrichtungen automatisch. In jedem Raum ersetzt ein funkbasiertes Thermostat den bisherigen Thermostatkopf, Fensterkontakte melden geöffnete Fenster, Gateways verbinden alles über LoRaWAN mit der Cloud. Dort greifen Regelsets: Sollwerte je Raumtyp, Nachtabsenkung, Erkennung offener Fenster, obere und untere Temperaturgrenzen, automatisches Zurücksetzen manueller Temperatureinstellungen. Bei DOMICIL gelten 25 konzernweite Standard-Regelsets vom Bewohnerzimmer bis zum Treppenhaus, ergänzt um individuelle Anpassungen für einzelne Räume. Die Haustechnik sieht alle Räume in einem Dashboard.

Die Entscheidung: Warum better.energy und warum Betterspace?

Bei der Marktrecherche nach digitalen Energie- und Heizungssteuerungslösungen wurde Betterspace früh als Anbieter identifiziert. Den Ausschlag gab keine einzelne Eigenschaft, sondern die Kombination: Hardware, Software, Projektabwicklung und Energietransparenz aus einer Hand, dazu eine Betreiberorientierung, die erkennbar nicht für Neubau und Idealbedingungen entwickelt wurde, sondern für den Bestand und den laufenden Betrieb.  

Die erste Beratungsphase war laut Komosza fachlich zielführend und praxisnah. Denn ob ein Rollout über 50 Standorte im laufenden Betrieb gelingt, entscheidet sich an allem, was zwischen Bestellung und funktionierendem System liegt: Funkplanung, Lieferung, Einweisung, Nachsteuerung. Dazu kam eine Beratung, die technisch und operativ geführt wurde, nicht nur vertrieblich.

Das Rollout-Modell: Erst der Pilot, dann alle Häuser

Das Energieeffizienzprojekt war von Beginn an nicht als Einzelvorhaben geplant. Ziel war ein vollflächiger Rollout der intelligenten Heizkörpersteuerung über alle Einrichtungen. Der Pilot in Hamburg-Jenfeld diente dazu, die operativen Abläufe zu validieren, bevor sie auf fast 50 Standorte übertragen werden: Funkfeldmessung, Gateway-Positionierung, Einweisung der Haustechnik, Zuordnung der Geräte zu den Räumen. Nach dem Pilotprojekt wurden die Standards für den Rollout festgelegt. Im März 2025 folgte dann die Beauftragung der 49 weiteren Standorte.

Erfolgreicher Rollout in 8 statt 12 Monaten

Geplant war der Abschluss innerhalb von zwölf Monaten, ein ambitionierter, aber realistischer Rahmen. Tatsächlich startete der erste Standort am 15. April 2025, der letzte am 8. Dezember 2025. Pro Monat gingen fünf bis sieben Häuser live, im Schnitt rund 4.000 Komponenten, in den Spitzenmonaten Juni, Juli, August und November rund 5.000 bis 5.650. Die 50 Standorte liegen in 24 Städten und neun Bundesländern, von der Heide bis Kempten.

Das größte Haus, das DOMICIL Seniorenpflegeheim Kirchhofallee in Kiel, erhielt im Juli 2025 an einem Tag 1.037 Thermostate, 908 Fensterkontakte und 16 Gateways. In derselben Woche starteten zwei weitere Standorte. „Natürlich läuft bei so einem Großprojekt nicht alles zu 100 Prozent glatt durch. Verzögerungen gab es bei Standortabstimmungen, Funk- und Netzwerkthemen und der Verfügbarkeit der Haustechnik. In enger Abstimmung der Projektteams wurden diese jedoch immer kurzfristig gelöst.“, so Thomas Komosza.

Installation mit der eigenen Haustechnik

Ein Bewohnerzimmer ist kein Hotelzimmer oder Büro. Es wird rund um die Uhr bewohnt. Es gibt kein Zeitfenster zwischen Check-Out und Check-In oder nach Arbeitsende und vor Arbeitsbeginn. Fremde Techniker im Zimmer brauchen ein klares Protokoll. Betterspace kennt diese Rahmenbedingungen aus anderen Pflegeprojekten. Die DOMICIL-spezifischen Abläufe, Zugangsregelungen und Terminfenster wurden zu Projektbeginn gemeinsam festgelegt und in die Installationsplanung übernommen.

Vor jeder Installation hat Betterspace das LoRaWAN-Funkfeld ausgemessen für die ideale Gateway-Platzierung. Bauliche Hürden wie dicke Wände oder ungünstige Deckenkonstruktionen waren damit vor dem Tausch bekannt und nicht erst während des Rollouts. Zum Start kam ein Betterspace-Techniker für einen Tag in die jeweilige Einrichtung, installierte die ersten Thermostate gemeinsam mit dem Haustechniker und erklärte die Zuordnung der Geräte im System. Danach tauschte die Haustechnik die restlichen Geräte eigenständig. Das war für die Bewohner und Pflegeeinrichtung sehr wertvoll, keine Fremdfirma in jedem Bewohnerzimmer und ein minimaler Eingriff in den Pflegealltag.

Parallel lief zusätzlich in denselben Gebäuden eine WLAN-Umstellung und die Einführung der Pflegesoftware MEDIFOX. Die gesamte Koordination über alle Gewerke lag zentral bei der Geschäftsstelle in Hamburg.

Was installiert wurde bei DOMICIL

KomponenteAnzahl
Heizkörperthermostate mit Display (E-TRV C von DNT)rund 19.700
Heizkörperthermostate ohne Display (Flure) (E-TRV von DNT)rund 1.600
Fensterkontakterund 14.500
LoRaWAN-Gatewaysrund 350
Gesamt (50 Standorte inklusive Pilot)mehr als 36.000
Tabelle 2: Aufschlüsselung aller bei DOMICIL installierten Sensoren und Komponenten

Für T. Komosza gab es einen Moment, an dem deutlich wurde, dass die Entscheidung für Betterspace als Projektpartner richtig war: „Als ich während der ersten Installationen gesehen haben, dass der Rollout-Plan in unseren Bestandsgebäuden funktioniert, obwohl die Voraussetzungen an jedem Standort anders sind, war mir klar: Das passt.“

Was die Plattform in der ersten Heizsaison geregelt hat

Konkrete Verbrauchszahlen stehen nach der ersten vollständig gesteuerten Heizperiode 2026/2027 zur Verfügung. Was jetzt schon vorliegt, ist die Zahl der Eingriffe, die das System selbst vorgenommen hat. Zwischen Oktober 2025 und April 2026 hat better.energy an den 50 Standorten 12,8 Millionen Regeln ausgeführt, also rund 60.000 Eingriffe pro Tag.

Tabelle 3: Anzahl der automatischen Ausführung der Energieeffizienzregeln von better.energy bei DOMICIL über alle 50 Standorte

3,4 Millionen Mal hat das System ein offenes Fenster erkannt und die Heizkörper heruntergeregelt, statt gegen die kalte Luft anzuheizen. Bei rund 14.500 Fensterkontakten ist das gut eine Lüftung pro Fenster und Tag. 4,1 Millionen Nachtabsenkungen entsprechen fast genau den 19.700 Display-Thermostaten, jede Nacht. 723.000-mal hat die obere Temperaturgrenze ein Überheizen verhindert.

Die 913.000 zurückgesetzten manuellen Temperatureinstellungen sind bei mehr als 11.000 Räumen und 212 Tagen im Schnitt 0,4 je Raum und Tag. In einem Pflegeheim mit Bewohnern, Angehörigen und Personal wurde also nur alle zweieinhalb Tage an einem Thermostat gedreht. Eine manuelle Änderung ist jederzeit möglich, aber wurde nicht häufig gebraucht.

Ergebnis: Die Ziele sind erreicht

DOMICIL hat heute Transparenz über mehr als 11.000 Räume und Bereiche an allen Standorten. Fehlverbräuche durch überheizte Räume oder dauerhaft geöffnete Fenster werden automatisch abgestellt, statt unbemerkt für unnötigen Wärmeverbrauch zu sorgen. Das ständige manuelle Nachregeln durch Pflegepersonal und Haustechnik ist auf ein Minimum reduziert. Ein einheitlicher Standard gilt in allen 50 Einrichtungen mit individuellen Einstellmöglichkeiten für den einzelnen Bewohner. Und der Komfort blieb erhalten: Die individuellen Anpassungsmöglichkeiten je Raum sind Teil des Systems.

Learnings für vergleichbare Projekte

Thomas Komoszas Fazit: Die Technik ist lösbar, die Projektorganisation entscheidet über Geschwindigkeit und Qualität. Drei Punkte nimmt er für künftige Projekte mit: eine verbindliche Schnittstellenmatrix, wenn mehrere Projekte parallel laufen; eine standortbezogene Datenbasis, bevor der Rollout beginnt; und ein noch engerer Termin- und Ressourcenplan, weil die interne Kapazität der Engpass ist.

Wer als Betreiber vor einer ähnlichen Aufgabe steht, sollte das Projekt nicht als Austausch von Thermostaten betrachten, sondern als Organisations- und Energieeffizienzprojekt. Das DOMICIL-Projekt zeigt, dass ein Rollout dieser Größe im laufenden Pflegebetrieb und auch mit der eigenen Haustechnik funktioniert.

Wenn du als Betreiber einer oder mehrerer Pflegeeinrichtungen vor einer ähnlichen Entscheidung stehst, gibt das DOMICIL-Projekt einen konkreten Fahrplan. Nicht als Blaupause, die eins zu eins übertragbar ist, aber als Beweis, dass ein solcher Rollout im laufenden Pflegebetrieb, mit begrenzten Haustechnik-Kapazitäten umsetzbar ist.

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H4 – Ich bin eine Zwischenüberschrift

  • Interview mit Thomas Komosza, Leitung Bau- und Gebäudetechnik, DOMICIL Seniorenresidenzen Hamburg SE
  • better.energy: die smarte Heizkörpersteuerung von Betterspace